Stille Kündigungen haben auch einen Gegentrend hervorgebracht – die „öffentliche Kündigung“, bei der Betroffene nicht nur ihre Aktivitäten reduzieren, sondern ihren Unmut über den Arbeitgeber auch in den sozialen Medien öffentlich äußern. Solche Fälle sind in Deutschland aufgrund der eher konservativen Kultur noch selten, kommen aber in der Startup-Szene bereits vor. So veröffentlichte beispielsweise ein Mitarbeiter eines Berliner Fintech-Startups auf LinkedIn eine detaillierte Analyse darüber, wie ihn das Unternehmen zu 60 unbezahlten Arbeitsstunden pro Woche zwang. Der Beitrag erreichte eine Million Aufrufe. Das Unternehmen sah sich gezwungen, seine Richtlinien zu ändern.
Interessanterweise führen stille Kündigungen nicht immer zu einem Produktivitätsrückgang. Studien zeigen, dass überlastete Mitarbeiter, die sich an die Regeln halten, weniger Fehler machen und weniger Krankheitstage nehmen. Die Arbeitsqualität kann sich sogar verbessern, da der Mitarbeiter nicht mehr mit zehn irrelevanten Aufgaben überlastet ist. Dennoch empfindet das Management stille Kündigungen oft als persönliche Beleidigung. In der deutschen Kultur gilt es als selbstverständlich, „Anpacken“ und „zuverlässig sein“, und die Weigerung, mehr zu leisten, kann als Verstoß gegen diese ungeschriebenen Regeln interpretiert werden.
Was tun, wenn man merkt, dass man mit dem Gedanken spielt, stillschweigend zu kündigen? Zunächst sollte man ehrlich analysieren, warum dies geschieht. Wenn Sie einfach nur müde sind, brauchen Sie vielleicht Urlaub oder eine Umverteilung Ihrer Aufgaben. Falls Sie systematisch überlastet sind, sprechen Sie mit Ihrem Chef – nicht in Form einer Beschwerde, sondern mit konkreten Zahlen: „Meine Stellenbeschreibung umfasst fünf Punkte, und Sie haben drei weitere hinzugefügt. Welche der alten Punkte kann ich weglassen?“ Zweitens: Machen Sie sich keine Vorwürfe, wenn Sie nicht für zwei Punkte arbeiten. Ihre Gesundheit ist wichtiger. Und drittens: Denken Sie daran, dass eine stille Kündigung nicht das Ende Ihrer Karriere bedeutet, sondern eine Verhandlung. Sie signalisieren damit, dass die alten Regeln nicht mehr gelten. Und wenn das Unternehmen nicht darauf eingeht, ist es vielleicht Zeit für eine endgültige Kündigung.
