Im Zeitalter der Billigflieger mag Zugreisen wie ein Anachronismus erscheinen, doch jeder, der schon einmal durch das Rheintal oder die Schweizer Alpen gereist ist, weiß: Kein Wolkenblick aus dem Zugfenster kann mit der Aussicht aus dem Zugwaggon mithalten. Europa ist nach wie vor ein Kontinent der Eisenbahn, und von Deutschland aus, mit seiner zentralen Lage und dem weitverzweigten Netz der Deutschen Bahn, erreichen Sie Dutzende Länder ohne Umsteigen. Darüber hinaus ist Zugreisen im Jahr 2025 nicht nur romantisch, sondern auch recht preisgünstig – vorausgesetzt, Sie kennen ein paar Tricks.
Der Geheimtipp für jeden deutschen Reisenden ist der Interrail-Pass. Für Europäer ermöglicht dieser Pass unbegrenztes Zugfahren in 33 Ländern für eine bestimmte Anzahl von Tagen. Ein Global Pass für 7 Reisetage innerhalb eines Monats kostet ab 311 €, ein 10-Tage-Pass für zwei Monate ab 401 €. Klingt teuer? Rechnen Sie selbst: Eine einfache Fahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug von Köln nach Paris kostet etwa 80–120 €. Schon nach drei oder vier Fahrten amortisiert sich der Pass. Sie genießen zudem volle Flexibilität: Nutzen Sie jeden Zug an jedem Gültigkeitstag des Passes, ändern Sie Ihre Route spontan und lassen Sie Städte aus, die Ihnen nicht gefallen. Einziger Wermutstropfen: Für einige Hochgeschwindigkeits- und Nachtzüge sind zusätzliche Sitzplatzreservierungen erforderlich (3 bis 20 Euro), aber das ist immer noch günstiger als ein Einzelticket.
Wenn Sie keine einwöchige Reise planen, sondern nur einen Wochenendtrip in ein Nachbarland unternehmen möchten, nutzen Sie die Vorteile der nationalen Bahnen. Beispielsweise empfiehlt es sich, Tickets für den französischen TGV, den italienischen Frecciarossa oder den spanischen AVE frühzeitig zu kaufen: Der Vorverkauf beginnt neun Monate im Voraus, und die Preise sind in den ersten Wochen am niedrigsten. Der Unterschied kann enorm sein: Ein Ticket von Paris nach Marseille kostet einen Tag im Voraus über 100 Euro, drei Monate im Voraus hingegen nur 25 Euro. Ziehen Sie auch Regionalzüge in Betracht. Sie sind zwar langsamer, aber die Fahrpreise sind oft fix und steigen nicht. In Italien verbinden Regionalzüge (Regionale) jede Stadt mit größeren Städten für 10–20 €, und die Aussicht aus dem Fenster ist genauso schön wie in Hochgeschwindigkeitszügen.
Für Liebhaber landschaftlich reizvoller Strecken ist Europa ein wahres Paradies. Die Mittelrheinbahn zwischen Köln und Bingen bietet eine gut einstündige Fahrt entlang des Rheins, vorbei an Burgen, die auf jedem Felsen thronen, und Weinbergen, die sich terrassenförmig bis zum Wasser erstrecken. Die Bernina-Express-Strecke von der Schweiz nach Italien ist UNESCO-Welterbe und führt in vier Stunden durch Gletscher und Palmenhaine. Die Rauma-Bahn in Norwegen ist eine einstündige und 40-minütige Fahrt vorbei an Wasserfällen, Schluchten und dem legendären „Trollpfad“. Das Beste daran: Alle diese Strecken sind mit regulären Fahrkarten (zwischen 10 und 40 Euro) befahrbar, und mit einem Interrail-Pass ist die Fahrt sogar kostenlos. Wichtig ist, frühzeitig am Bahnhof zu sein, insbesondere in Frankreich, wo die Bahnsteige zwei Minuten vor Abfahrt schließen.
