Sie haben eine Beförderung erhalten, Ihre Dissertation erfolgreich verteidigt oder Ihr eigenes Unternehmen gegründet, doch innerlich flüstert eine Stimme: „Du hast nur Glück. Früher oder später wird jeder merken, dass du nichts trägst.“ Dies nennt man Impostor-Syndrom. Trotz äußerlichen Erfolgs glauben Betroffene, andere zu täuschen und dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie entlarvt werden. Studien zeigen, dass bis zu 70 % der Menschen diese Erfahrung mindestens einmal im Leben gemacht haben. Sie tritt gleichermaßen häufig bei Studierenden, Professoren, Ingenieuren und Topmanagern auf. In Deutschland, wo hohe Qualitätsstandards herrschen und der Arbeitsmarkt hart umkämpft ist, ist das Impostor-Syndrom besonders heimtückisch: Es führt dazu, dass Betroffene 60 Stunden pro Woche arbeiten, sich scheuen, um Hilfe zu bitten, und interessante Projekte ablehnen.
Der erste Schritt zur Überwindung des Syndroms ist die Erkenntnis, dass das Impostor-Syndrom nichts mit tatsächlicher Kompetenz zu tun hat. Es handelt sich um einen irrationalen Glaubenssatz, der durch eine bestimmte Denkweise verstärkt wird. Psychologen unterscheiden verschiedene „Subtypen“: den „Perfektionisten“ (verlangt Perfektion von sich selbst, und jeder Fehler bestätigt die eigene Inkompetenz), den „Überflieger“ (arbeitet um ein Vielfaches härter als Kollegen, um Schwächen zu verbergen) und das „Genie“ (ist es gewohnt, dass alles leicht ist, und die erste Schwierigkeit löst Panik aus). Die Identifizierung Ihres Typs hilft Ihnen zu verstehen, welche Glaubenssätze Sie zurückhalten. In der deutschen Psychologie wird häufig die Clance-Skala zum Hochstapler-Phänomen verwendet – sie ist online verfügbar und kann in 10 Minuten ausgefüllt werden.
Eines der effektivsten Werkzeuge ist das Sammeln von Beweisen. Legen Sie einen „Erfolgsordner“ an. Dies kann ein physischer Ordner mit Dankesbriefen, positiven Kundenrezensionen oder Screenshots von Lob Ihres Chefs sein. Oder ein digitales Dokument, in dem Sie jeden kleinen Erfolg festhalten: „Ich habe heute erfolgreich eine Präsentation gehalten“, „Ich habe einem Kollegen geholfen, Excel zu verstehen“, „Ich habe ein Kompliment von einem Kunden erhalten“. Wenn die innere Stimme des Hochstaplers besonders laut wird, öffnen Sie diesen Ordner und lesen Sie ihn erneut. Es fällt dem Gehirn schwer, dokumentierte Fakten zu ignorieren. In Deutschland führen viele Menschen ein „Tagebuch der kleinen Erfolge“ – ein Journal, in dem sie jeden Abend drei Dinge notieren, die ihnen gut gelungen sind, selbst wenn es nur „pünktlich zu einem Meeting erschienen“ ist.
