Sie wachen morgens auf und denken als Erstes: „Schon wieder dieser Tag.“ Die Arbeit, die Sie einst begeistert hat, löst nun Übelkeit in Ihnen aus. Kollegen nerven, Hobbys sind langweilig und die Wochenenden vergehen wie im Flug, während Sie ziellos durch Ihren Feed scrollen. Hält dieser Zustand über Wochen an, leiden Sie möglicherweise unter einem emotionalen Burnout. In Deutschland, wo die Arbeitskultur hohes Engagement betont und der Begriff „Feierabend“ aufgrund von Homeoffice und ständiger Erreichbarkeit oft nur Theorie ist, hat Burnout epidemische Ausmaße angenommen. Statistiken zufolge fühlt sich jeder dritte deutsche Arbeitnehmer ständig unter Druck. Burnout ist jedoch keine Schwäche oder ein Charakterfehler, sondern eine natürliche Folge von chronischem Stress ohne ausreichende Erholung.
Die ersten Anzeichen von Burnout werden leicht mit normaler Müdigkeit verwechselt. Sie werden zynisch: Früher haben Sie sich Sorgen um den Erfolg eines Projekts gemacht, jetzt ist es Ihnen egal. Emotionale Erschöpfung äußert sich darin, dass man sich nicht einmal mehr über gute Nachrichten freuen kann. Die Produktivität sinkt: Aufgaben, die früher eine Stunde dauerten, ziehen sich nun auf drei Stunden hin. Es treten körperliche Symptome auf: Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme, Schlaflosigkeit oder im Gegenteil übermäßige Schläfrigkeit. Deutsche Ärzte empfehlen einen einfachen Test (zum Beispiel das Maslach Burnout Inventory online) und, falls die Ergebnisse alarmierend sind, nicht abzuwarten, bis die Beschwerden von selbst verschwinden. Burnout verläuft in drei Stadien: von Begeisterung über Erschöpfung bis hin zu völliger Apathie. Am besten behandelt man es im ersten Stadium.
Was sollten Sie tun, wenn Sie sich darin wiedererkennen? Das Erste und Schwierigste ist, sich einzugestehen, dass man ein Problem hat. In der deutschen Kultur ist es oft üblich, sich nichts anmerken zu lassen und nicht zu klagen. Doch Verleugnung verschlimmert die Situation nur. Sagen Sie sich: „Ich bin gestresst und brauche Hilfe.“ Ändern Sie dann Ihre Routine grundlegend. Führen Sie eine unumstößliche Regel ein: Nach 18:00 Uhr und am Wochenende nicht mehr arbeiten. Schalten Sie die Arbeitsbenachrichtigungen auf Ihrem Handy aus. Wenn Sie im Homeoffice arbeiten, stellen Sie Ihren Laptop in einen Schrank oder ein anderes Zimmer. In Deutschland gibt es das Recht auf Nichterreichbarkeit – in vielen Berufen ist es im Arbeitsvertrag verankert, wird aber kaum genutzt. Fangen Sie damit an! Ihre Kollegen und Ihr Chef werden es Ihnen übelnehmen, wenn Sie morgens statt um 23:00 Uhr auf eine E-Mail antworten.
