Home Wildtiere Der Nacktmull: Ein schmerzloser und nahezu unsterblicher Held der Unterwelt

Der Nacktmull: Ein schmerzloser und nahezu unsterblicher Held der Unterwelt

by cms@editor

Wer glaubt, Mäuse seien die widerstandsfähigsten Nagetiere, irrt sich gewaltig. Lernen Sie den Nacktmull kennen – ein faltiges, fast blindes Geschöpf, das zehnmal länger lebt als seine Verwandten, kaum altert und Krebs scheinbar mühelos trotzt. Die winzigen Tiere, die nur 30–40 Gramm wiegen und in den trockenen Savannen Ostafrikas leben, sind eine wahre Sensation in der Gerontologie. Sie trotzen fundamentalen biologischen Gesetzen und zwingen Wissenschaftler dazu, Lehrbücher umzuschreiben und nach Hinweisen auf ein längeres menschliches Leben zu suchen.

Beginnen wir mit der verblüffendsten Tatsache: Nacktmulle verstoßen gegen das Gompertzsche Gesetz, eine mathematische Formel, die die Sterblichkeitsrate von Lebewesen beschreibt. Bei den meisten Tieren steigt die Sterbewahrscheinlichkeit mit dem Alter exponentiell an. Bei Nacktmullen bleibt dieser Wert jedoch fast während ihrer gesamten 35- bis 40-jährigen Lebensspanne konstant niedrig. Für ein Nagetier dieser Größe ist das ein absoluter Rekord. Mäuse leben maximal 3–4 Jahre, Ratten etwa 5 Jahre. Umgerechnet auf die menschliche Lebenserwartung würden wir mit der Gesundheit eines Nacktmulls bis zu 800 Jahre alt werden.

Doch Langlebigkeit ist nicht die einzige Superkraft dieses Tieres. Nacktmulle sind praktisch krebsfrei. Die Mechanismen dieser Resistenz sind noch nicht vollständig erforscht, aber man weiß bereits, dass ihre Zellen ein Phänomen namens „Kontaktinhibition“ aufweisen. Vereinfacht gesagt: Während sich die Zellen eines gewöhnlichen Säugetiers bei Kontakt nicht mehr teilen, ist dieses „Stoppsignal“ bei einem Nacktmull so stark, dass das Risiko einer bösartigen Entartung gegen null geht. Darüber hinaus sind diese Nagetiere unempfindlich gegenüber chemischen oder radiologischen Einflüssen, die bei anderen Tieren mit Sicherheit Tumore auslösen würden.

Wie bleiben sie so lange jung und gesund? Das Geheimnis liegt in ihrem Lebensraum und ihrem Stoffwechsel. Nacktmulle leben tief unter der Erde, unter extrem sauerstoffarmen Bedingungen. Über Millionen von Jahren der Evolution haben sie sich an Sauerstoffmangel angepasst und so oxidative Zellschäden reduziert – eine der Hauptursachen für die Alterung bei Landsäugetieren. Ihr Körper kann, ähnlich wie bei Pflanzen, auf einen Fruktose-basierten Energiestoffwechsel umstellen, wodurch sie unter Bedingungen überleben können, unter denen andere Säugetiere innerhalb von Minuten ersticken würden. Außerdem fehlt ihrer Haut der für den Schmerz verantwortliche Stoff (Substanz P), sodass sie das Brennen von Säuren und scharfen Gewürzen nicht spüren.

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