In Tiefen von drei- bis siebentausend Metern, in stockfinsterer Dunkelheit und eiskaltem Wasser, wo der Druck ein U-Boot zerquetschen könnte, schwimmt ein Wesen, das aussieht, als wäre es einem Kinderbuch entsprungen. Es handelt sich um den Dumbo-Oktopus mit zwei „Ohren“, die in Wirklichkeit Flossen sind und an den berühmten Disney-Elefanten erinnern. Diese zarten und geheimnisvollen Geschöpfe gehören zu den Tiefsee-Oktopussen, die der Wissenschaft bekannt sind. Sie werden so selten fotografiert, dass jedes Bild eine Sensation für Ozeanographen weltweit darstellt.
Dumbo-Oktopusse gehören zur Gattung Grimpoteuthis, und ihr Hauptmerkmal sind die zwei Flossen an ihrem Mantel. Diese Auswüchse, die großen Ohren ähneln, gaben ihnen ihren Spitznamen. Lange Zeit gingen Wissenschaftler davon aus, dass Oktopusse erst mit zunehmendem Alter Flossen entwickeln. Jüngste Aufnahmen von neugeborenen Oktopussen zeigen jedoch, dass sie vom Schlüpfen an „Ohren“ besitzen. Diese Flossen dienen ihnen als Hauptantrieb: Während sich andere Oktopusse mithilfe eines durch einen Trichter ausgestoßenen Wasserstrahls fortbewegen, gleiten Dumbo-Oktopusse lieber wie Quallen dahin und schlagen dabei gemächlich mit ihren „Ohren“.
Die Tiefsee hat einen ganz besonderen Einfluss auf den Lebensstil der Dumbo-Oktopusse. Da Nahrung hier extrem knapp ist, führen sie ein sesshaftes Leben und sparen jede Kalorie. Sie ernähren sich von Weichtieren, Vielborstern und kleinen Krebstieren, die ihnen begegnen. Interessanterweise kümmern sich Dumbo-Oktopusse nicht um ihren Nachwuchs – das Weibchen legt ihre Eier an einem abgelegenen Ort auf dem Meeresboden ab und schwimmt davon, sodass die Jungtiere sich selbst überlassen bleiben. Dies ist ungewöhnlich für Oktopusse, da viele Arten ihre Nester bis zum Tod bewachen. Auf dem Meeresboden, wo geeignete Nistplätze rar sind, hat sich die Strategie des „Einfach nisten und sich dann nicht mehr darum kümmern“ als evolutionär gerechtfertigt erwiesen.
