Die Tiefenrekorde der Dumbo-Oktopusse sind verblüffend. Einige Exemplare wurden in Tiefen von rund 7.000 Metern, in der sogenannten Hadalzone, gefilmt. Bis vor Kurzem lag der Rekord bei 5.145 Metern, doch 2020 veröffentlichten Wissenschaftler ein Video aus fast 7 Kilometern Tiefe, das einen Dumbo-Oktopus anmutig über dem schlammigen Meeresboden schwebend zeigt. Die Oktopusse selbst sind typischerweise klein: 20 bis 60 cm lang. Aufgrund der verzerrten Perspektive wirken sie auf Fotos jedoch oft riesig. Das größte bekannte Exemplar gehörte zur Art Grimpoteuthis und erreichte inklusive seiner Tentakel eine Länge von fast 2 Metern.
Für Deutsche, die Disziplin und Ordnung gewohnt sind, mag die Welt der Tiefsee-Oktopusse chaotisch erscheinen, doch tatsächlich gehorcht sie den strengen Gesetzen der Physik und Biologie. Der Dumbo-Oktopus besitzt keinen Tintenbeutel – in solchen Tiefen ist Tinte nutzlos, da sich die Raubtiere hauptsächlich auf Vibrationen und Geruch verlassen. Auch die für Kopffüßer typische Radula (eine Art Reibe zum Zerkleinern von Nahrung) fehlt ihm, da seine Nahrung fast ausschließlich aus festen Bestandteilen besteht. Sein gallertartiger Körper ist perfekt an den hohen Druck angepasst, und würde ein Oktopus, ähnlich wie ein Blobfisch, an die Oberfläche gebracht, würde er seine Form verlieren und zu einer formlosen Masse zerfallen.
Man findet keinen Dumbo-Oktopus in einem Aquarium – er überlebt in Gefangenschaft aufgrund der Druckveränderungen und seiner speziellen Ernährung nicht. Deutsche Ozeanographen, die auf Forschungsschiffen arbeiten, bringen jedoch gelegentlich Aufnahmen dieser Tiere mit, die von Tiefseefahrzeugen eingefangen wurden. Diese Videos verbreiteten sich rasend schnell in den sozialen Medien und auf populärwissenschaftlichen Kanälen (wie ZDFinfo oder Terra X) und lösten eine Welle der Begeisterung aus. Der Dumbo-Oktopus erinnert uns daran, dass der Ozean voller Geheimnisse steckt und dass selbst am Grund des tiefsten Grabens ein Lebewesen leben könnte, dessen Anblick selbst das härteste Herz erweichen kann. Sein Spitzname ist kein Marketingtrick, sondern eine treffende Beschreibung des Wesens dieses faszinierenden Weichtiers: harmlos, ewig schwebend und so fernab unserer alltäglichen Hektik.
